Sue Hall

Fantasy Factory
London

Geboren 1948 in Reading. Lebt und arbeitet in London. Mitbegründerin
von Fantasy Factory.

Deutsche Fassung im Buch Rebel Video, S. 75-86

00:00 Start. 00:54: Vienna. 01:37: My grandparents. 01:56: A vision of Kathmandu. 02:44: Test tubes and a bunsen burner. 03:31: Learning how to argue. 04:07: Youth Campaign for Nuclear Disarmament. 04:41: The Cuba Crisis. 05:41: I turn to music and clubbing. 06:38: The Beat poets at Albert Hall. 07:05: Dropping out and wanting to go to Nepal. 07:38: Four years of travelling. 08:23: Back in London – Squatting in the early 70’s. 10:19: Introduction to video by John „Hoppy“ Hopkins. 11:34: Participant observation. 13:27: October 1974, a letter from the BFI. 16:31: Our three rates policy. 17:33: Assemble editing and replaying tapes. 19:07: Impact on the squatter community – raising their profile. 19:23: Making a living. 20:26: Founding Fantasy Factory with John „Hoppy“ Hopkins. 22:08: Learning from the commercial sector. 24:16: The squatter tapes – our heritage. 26:07: Credits

Squat Now While Stocks Last

Graft on! und Fantasy Factory
London

1974,  ½ Zoll, schwarz-weiss, 8 mins, Auszüge (5 Min.), Original online im London Community Video Archive (LCVA).

Hausbesetzer zeichnen mittels Video Strassenszenen, Polizeibrutalität und Zwangsräumungen auf. Das Video zeigt Hausbesetzer aus dem Haus Prince of Wales Road 93, wie sie sich mit friedlichen Mitteln gegen eine laufende Zwangsräumung wehren.

Die 1970er-Jahre waren die Blütezeit der Hausbesetzerszene. Es gab im Grossraum London schätzungsweise 30 000 Hausbesetzer, und die Szene war über viele Jahre der Nährboden für die urbane Subkultur. Der grosse Schatz von Videos der Fantasy Factory mit und über die Squatting Community in Camden, North London, konnte bis
anhin noch nicht digitalisiert und im LCVA archiviert werden.

Sue Hall erinnert sich an ihre Zeit als Hausbesetzerin in West Kentish Town
Innerhalb von zwei bis drei Jahren wurden Hunderte von Häusern besetzt, denn der Stadtrat von Camden wollte Kunst und Kultur fördern, indem er Künstlern alte Fabriken zur Verfügung stellte und Studenten Wohnungen überliess, die für Familien nicht geeignet waren. Warum aber standen Häuser leer? Die ursprünglichen Bewohner waren Opfer von etwas, das man mittlerweile Stadterneuerung nennt, was damals aber Slum-Bereinigung hiess. Den Bewohnern der Häuser, die abgerissen werden sollten, teilte man mit, die Häuser wären nicht mehr bewohnbar und es wäre besser für sie, wenn sie in modernere Wohnungen zögen. Oft wurden sie in einen Hochhauskomplex am Stadtrand von London umgesiedelt. Allerdings ging es mit der grossflächigen Sanierung nur langsam voran. Viele Mieter waren noch nicht umgezogen und hatten etwas gegen die mietfrei wohnenden
Besetzer, denn schliesslich mussten sie für die Häuser – wie unbewohnbar auch immer – weiterhin Miete zahlen. Ausserdem gehörten viele zur National Front, einer rechten, rassistischen Organisation. Sie konnten die langhaarigen Besetzer, die einfach unverheiratet zusammenlebten, nicht ausstehen. Die Mieter begriffen nicht, warum Leute aus der Mittelschicht, die nach ihrer Auffassung sicher reich sein mussten, in diesen Bruchbuden wohnen wollten, aus denen sie selbst ausziehen mussten. Mit Leuten wie uns wollten
sie wirklich nicht Tür an Tür wohnen! Ihr Groll schlug bald in Gewalttätigkeit um. Damals hatten die Leute noch keine Waffen, aber es gab oft Prügeleien, obwohl die ersten Besetzer meist Hippies waren und Gewalt ablehnten, weil die zu nichts führt. Sie wollten Konflikte gewaltfrei lösen, und so prallten damals unterschiedliche Auffassungen und Haltungen aufeinander. Bei der Stadt, die diese Parteien so eng zusammengeführt hatte, übernahm man keinerlei Verantwortung für die Folgen dieser Politik. Man hielt das Ganze wohl für einen unglücklichen Zufall.

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