Mark Saunders

Spectacle
London

Geboren 1956 in London. Lebt und arbeitet in London. Filmemacher bei Spectacle, einer unabhängigen Fernsehgesellschaft.

Deutsche Fassung im Buch Rebel Video, S. 121-148

Content. 00:17: Growing up in suburbia. 01:10: Rooted in London. 02:31: Parents. 03:11: A new generation. 04:13: Junior school. 04:53: Cinema. 05:56: London College of Printing. 07:12: A video investigation. 09:05: The Tower Hamlet Arts Project and Despite TV. 10:20: Social justice and media participation. 11:18: Sharing and scratching. 13:12: From a local angle. 13:52: Single issue magazines. 14:38: Distribution. 15:12: Exodus, a portrait film. 16:27: Do it yourself. 17:49: Commissioned by Channel 4. 18:37: Funding and use of my archive. 19:50: Another vision of change. 20:21: Credits

Despite the Sun

Despite TV
London

1986, 50 Min., U-matic, Farbe, 11 Min. (Auszüge), Original erhältlich von www.spectacle.co.uk

Im Januar 1986 verlegte Rupert Murdoch seinen Druckereibetrieb News International von der Fleet Street nach Wapping in Londons Osten. Innerhalb eines Tages wurden über 5000 Druckereiarbeiter, Angestellte, Putz- und Bürokräfte entlassen. Despite the Sun dokumentiert den jahrelangen Streit, der die Druckindustrie erschütterte. Aus Sicht der Anwohner und Druckereiarbeiter zeichnet die Kamera auf, welcher Art die Auswirkungen auf Anwohner waren, die von der Polizei und den Murdoch-Fahrzeugen gleichermassen schikaniert wurden, sowie die Angriffe der berittenen Polizei auf die Reihen der Streikenden. Hinsichtlich des Besitzes und der Kontrolle der Medien, des Zugangs, der Organisation von Arbeit und der Auswirkungen der sogenannten «neuen Technologie» werden entscheidende Fragen gestellt.

Sean Cubitt, City Limits, 1986
Es ist ein fantastischer Film. Man hat sowohl die Mäglichkeiten der Aufnahmetechnik (VHS) als auch des Playbackverfahrens genutzt; Despite the Sun verbreitete sich sofort unter den Leuten aus der Gegend, in der die Auseinandersetzungen um die Umsiedlung der Zeitungen der Murdoch-Gruppe zur Isle of Dogs mit den berühmten Streikpostenketten stattgefunden hatten. Die BBC-Aufnahmeteams hatten die Polizeiabsperrungen nicht passieren dürfen. Doch diese Typen wohnten ja dort, und so hetzten sie durch die Strassen, um an Stories zu kommen, die die überregionalen Medien nicht kriegen konnten. Das Ergebnis ist fantastisch, war aber eigentlich nur dazu gedacht, vor Ort gezeigt und vom Bibliotheksdienst in Tower Hamlets verbreitet zu werden. Man produzierte also mit Video für den Hausgebrauch, deshalb ist die Endfassung ziemlich roh, und sie wurde auch ziemlich schnell herausgegeben. Ich glaube, Aufnahmematerial aus ungefähr drei Wochen wurde in weniger als einer Woche geschnitten. Der Film war nicht nur ein politischer, sondern auch ein künstlerischer Meilenstein.

 

Battle of Trafalgar

Despite TV
London

1990, 52 Min., U-matic, Farbe, 14 Min. (Auszüge), Original erhältlich von spectacle.co.uk

Der Film erzählt die Geschichte der Londoner Demonstrationen gegen die Kopfsteuer vom 31. März 1990 und wirft Fragen zur öffentlichen Ordnung, zu Polizeieinsätzen, zur Unabhängigkeit und zur Verantwortung der Medien sowie zum Demonstrationsrecht auf. Vor dem Hintergrund des Videomaterials, das die Ereignisse dieses Tages in zeitlicher Abfolge widergibt, berichten Augenzeugen über ihre Erlebnisse.

Sheridan Morley, The Times, 19. September 1990
Die zweite Battle of Trafalgar muss ihren Platz in den Geschichtsbüchern erst noch finden und eignet sich wahrscheinlich nicht für eine Wachsnachbildung bei Madame Tussaud. Doch geht von den Ereignissen rund um die Demonstration gegen die Kopfsteuer vom 31. März dieses Jahres (1990) eine gewisse historische Faszination aus, und Battle of Trafalgar (Channel 4) legt nahe, dass sie noch einige Zeit nachwirken könnte. Eine unabhängige Videofirma namens Despite TV produzierte einen einstündigen Dokumentarfilm, der auf der Grundlage von unabhängigem Filmmaterial, das damals aus der Situation heraus und weitgehend unverdeckt aufgenommen wurde, die Demonstration sorgfältig rekonstruiert. Er zeigt, wie ältere Menschen, die ganz und gar nicht wie Studenten aussehen, brutal attackiert werden. Hier muss man allerdings daran erinnern, dass der Film keine Objektivität beansprucht und auch keine Pressesprecher der Polizei und von Fernsehnachrichtensendern in den Film einbezogen wurden, weswegen Despite TV in späteren Sendungen Voreingenommenheit vorgeworfen wurde. Wie schon der Name der Firma Despite TV nahelegt, sollte der Film beweisen, dass die Geschichte von der ursprünglich friedlichen Massendemonstration in der Londoner Innenstadt, die an einem Samstagabend im Frühling zu einer Gewaltorgie wurde, noch eine andere Seite hatte.

Exodus Movement of Jah People

Spectacle
London

1995, Produktion und Regie: Mark Saunders, 45 Min., Beta SP, Farbe, 10 Min. (Auszüge), Original online erhältlich von www. spectacle.co.uk, auch in Französisch mit Untertiteln und als deutsche und italienische Synchronfassung.

Mit der Besetzung und Renovierung heruntergekommener Gebäude will Exodus Movement eine benachteiligte Nachbarschaft in Luton wiederbeleben. Exodus bietet Arbeit und tragfähige Lösungen für zahlreiche gesellschaftliche Probleme wie Armut, Kriminalität, Drogen, Arbeitslosigkeit und Zusammenbruch des Gemeinwesens. Exodus bietet eine Mischung aus Rastafarianismus, New Age Punk und Strassenkultur.

Hintergrund
Das Exodus-Kollektiv in Luton entstand 1992 im Zuge der wachsenden Do-it-yourself-Bewegung, die sich als Reaktion auf Jugendarbeitslosigkeit, Armut und Frustration entwickelte. Ihre Mitglieder organisierten freie Rave-Parties, renovierten verlassene Häuser und gründeten eine Stadtteilfarm. Einige ihrer Aktivitäten bewegten sich am Rande der Legalität, waren aber friedlich. Ihre Philosophie hatte einen spirituellen Zug und berief sich auf Begriffe von Gemeinschaft und Gerechtigkeit im Kampf um Überleben und Stadterneuerung. Doch ihr utopisches Projekt stellte eine Herausforderung für den Status quo dar und traf auf starken Widerstand. Exodus Movement of Jah People untersucht das raffinierte Netz dieser Opposition, von aggressiver Überwachung bis zur Behinderung durch die Lokalverwaltung. Der Film zeigt den Übergang von reaktiver Friedenssicherung zu provokativem Eingreifen, einschliesslich einer Reihe von Spezialeinsätzen der Polizei von Bedfordshire.

 

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