Kommentar Sus Zwick

Die wenigen Frauen in der Videogenossenschaft Basel setzten sich mit dokumentarischem und künstlerischem Arbeiten mit Video auseinander. Sus Zwick ist mit Der Rest ist Risiko eine eindrückliche Dokumentation der Chemiekatastrophe von Schweizerhalle bei Basel gelungen. Sie hat dabei nicht nur den Widerstand dokumentiert, sondern auch ihre Sicht als Mutter eines kleinen Kindes (vgl. Sus Zwicky Video 22.54: Der Rest ist Risiko).

Im Video Babette kommt die künstlerische Seite von Sus Zwick zum Ausdruck. In der Zusammenarbeit mit Fränzi Madörin und Muda Mathis entstand eine interessante Collage aus Bildern, Gesprächen, Gedichten und Musik über die Erfahrungen der Friedensaktivistin Babette Zaugg in einem Kriegsgebiet.

Sus Zwick setzte sich intensiv mit den damals neuen Formen im Videoschaffen auseinander. In ihrem Porträt erzählt sie die Geschichte der Videofachklasse in Basel, die sie für das freie Gestalten mit Bildern und Tönen sensibilisierte:

«Wir arbeiteten meistens in Gruppen. Video konnte man nicht allein machen. Und da waren Pipilotti Rist und Muda Mathis, die miteinander schon andere Sachen gemacht hatten, sehr experimentell. Auch Käthe Walser machte das. Das war inspirierend. Wir bewegten die Kamera, probierten beim Schnitt aus. Wir färbten die Bilder und bauten Störungen ein – so kosteten wir das Medium Video aus. Die Technik brachten wir uns gegenseitig bei: die Bedienung der Apparate und der Kamera, das Montieren.» (vgl. Sus Zwick Video 18.27: Aufnahme in die Videofachklasse)

Ich wünsche eine anregende Videolektüre!

Das unabhängige Videoschaffen und das internationale Phänomen der Jugendbewegungen in Europa befeuerten sich in den 1970er- und 1980er-Jahren gegenseitig: Die jungen Aktivisten entdeckten das Video als neues Medium, brachten Proteststimmungen zum Ausdruck und kämpften um autonome kulturelle Freiräume. Videoproduktionen entstanden partizipativ, unmittelbar und schnell; sie markieren einen wichtigen Schritt ins digitale Zeitalter.

Heinz Nigg

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